Wie genau wird mein Modell?
Längen und Flächen misst du auch ohne RTK zentimetergenau. RTK sorgt dafür, dass das Modell auch am richtigen Ort im Raum steht. Für welche Einsätze du das brauchst.
Zwei Arten von Genauigkeit
Die relative Genauigkeit sagt, wie genau du eine Strecke im Modell messen kannst: die Firstlänge, eine Dachfläche, die Breite einer Straße. Die ist auch ohne RTK schon sehr gut, wenn der Flug sauber geplant ist: typisch etwa 2 cm, mit einer hochauflösenden Vermessungskamera wie der DJI Matrice 4E rund 1 cm. Diesen Unterschied macht die Kamera, nicht RTK.
Die absolute Genauigkeit sagt, wie genau das Modell im Koordinatensystem liegt. Stell dir eine Kreuzung vor, die per Drohne vermessen wurde. Aus dem Modell liest du die Koordinate für eine neue Ampel ab und lässt sie genau dort bauen. Ohne RTK kann die Ampel danach 20 bis 30 cm daneben stehen, fast auf dem Gehweg. Mit RTK sind es 2 bis 3 cm.
Was RTK macht
RTK steht für Real Time Kinematic. Jede Drohne bestimmt ihre Position über GNSS, also GPS, Galileo, GLONASS und BeiDou. Zum Fliegen reicht das völlig, die Position liegt aber nur auf ein bis drei Meter genau. Mit RTK rechnet die Drohne zusätzlich mit Korrekturdaten einer Referenzstation und kommt auf 2 bis 4 cm.
Wichtig ist: RTK verbessert nur die Position der Drohne. Kamera, Bildqualität und Flugplanung bleiben, wie sie sind. Die Korrekturdaten kann die Drohne auch nicht selbst erzeugen, sie kommen von außen. Woher genau und wie du sie einrichtest, steht in RTK einrichten.
Brauchst du RTK?
Fünf typische Einsätze, von „kommt ohne aus“ bis „geht nicht ohne“.
Dächer von Ein- und Mehrfamilienhäusern: empfehlenswert
Für Längen und Flächen reicht auch eine DJI Mini oder Air ohne RTK. Anders bei der Dachneigung: ohne RTK kann das Gebäude im Modell leicht verkippt stehen, obwohl es in Wirklichkeit gerade steht. Der Maßstab stimmt, aber beide Dachneigungen sind um denselben Betrag falsch. RTK verhindert das.
Industriegebäude und große Hallen: empfohlen
Hier tritt das Verkippen genauso auf. Dazu kommt, dass über große Distanzen ohne RTK eher Verzerrungen entstehen: ebene Flächen werden im Modell leicht wellig oder gekrümmt. Das bleibt die Ausnahme, lässt sich aber nicht vorhersagen. RTK-fähige Drohnen bringen außerdem die Gebietsroute mit, die solchen Fehlern zusätzlich vorbeugt (siehe Flugplanung).
Architekten und Planungsbüros: notwendig
Sobald du mit anderen zusammenarbeitest, brauchst du georeferenzierte Daten: das Modell muss im Weltkoordinatensystem am richtigen Platz stehen. Legst du ein CAD-Modell deines Projektpartners über die Punktwolke, um Soll und Ist zu vergleichen, darf das Gebäude nicht durch einen Messfehler danebenstehen. Ohne RTK ist das kaum zu schaffen, und zwar unabhängig von der Größe des Objekts.
Deponien und Erdbau: Pflicht
Für Kubaturen und Volumendifferenzen müssen zwei Befliegungen, etwa ein Quartal auseinander, exakt übereinanderliegen. Liegt ein Datensatz nur 10 cm zu hoch, entstehen schnell viele Kubikmeter Auf- oder Abtrag, die es nie gab.
Smart 3D Capture und ähnliche Flugmodi: zwingend
Bei Smart 3D Capture und anderen fortgeschrittenen Modi navigiert die Drohne automatisch auf engem Raum. Sie prüft deshalb vor dem Start, ob eine RTK-Verbindung steht, und startet die Mission ohne sie gar nicht erst.
Kameraauflösung, Flughöhe, Überlappung und Flugstrategie zählen genauso. Die Qualität entsteht beim Fliegen, RTK kommt obendrauf. Mehr dazu unter Flugplanung.
Kurz gesagt
Für Aufmaß, Angebot und Dokumentation kommst du ohne RTK weit. Sobald das Modell mit anderen Daten zusammenpassen muss, Volumen über die Zeit verglichen werden oder die Drohne es für den Flugmodus verlangt, führt kein Weg an RTK vorbei.
Welche Drohnen RTK können, woher die Korrekturdaten kommen und was du tust, wenn kein Fix zustande kommt: RTK einrichten.